Die Prinzessin und der Olivenbaum
Vor langer Zeit, in einer Stadt zwischen goldenen Dünen, lebte eine Prinzessin, die den Duft von Olivenbäumen liebte. In ihrem Palastgarten stand ein alter, knorriger Baum, so alt, dass die Gärtner sagten, er habe die Stadt schon gesehen, bevor der Palast gebaut wurde. Eines Tages kam ein geheimnisvoller Händler mit Säcken voller glänzender, grüner Oliven. Er bot sie der Prinzessin an und sagte: „Wer diese Oliven isst, der wird die Sprache der Bäume verstehen.“
Neugierig nahm die Prinzessin eine Olive. Kaum hatte sie sie gekostet, begann der alte Olivenbaum zu flüstern: „Prinzessin, im Tal jenseits der Wüste liegt ein Brunnen, der ewiges Wasser schenkt. Doch nur wer Geduld und Weisheit zeigt, kann ihn finden.“ Die Prinzessin bedankte sich bei dem Baum und machte sich auf den Weg. Unterwegs half sie einem verletzten Falken, schenkte einem hungrigen Kamel ihre letzten Oliven und lauschte dem Wind, der wie Stimmen alter Olivenbäume durch die Dünen sang.
Am Ende fand sie den Brunnen und das Wasser war klarer als alles, was sie je gesehen hatte. Sie kehrte heim und pflanzte rund um den alten Olivenbaum viele neue Bäume, damit zukünftige Generationen lernen würden, die Weisheit der Oliven zu hören und zu achten.